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Bund angestellter Tierärzte e.V. – Ein Herz für Tierärzte!

07 Mrz

Autor: Frederik Heun - Kategorie: Presse

 Der noch sehr junge Verein Bund angestellter Tierärzte e.V. (BaT) gestaltete in verschiedener Hinsicht den 9. Leipziger Tierärztekongress mit und bringt neue Sichtweisen und Aspekte in die berufspolitischen Diskussionen ein.

 

Bereits die Auftaktveranstaltung „Tiermedizinischer Nachwuchs: Lust, Frust, Perspektiven“ mit einem Redebeitrag (Der angestellte Tierarzt zwischen Motivation und Frustration) des ersten Vorsitzenden, Dr. Christian Wunderlich, und anschließender Podiumsdiskussion zeigte, in welchem Wandel sich die gesamte Tiermedizin im Moment befindet.  Ebenfalls wurde klar, dass dieser Wandel noch einiges an Diskussionspotential bietet. Einig waren sich die Podiumsdiskussionsteilnehmer im Großen und Ganzen darüber, dass es Veränderung bedarf, um die teils noch immer vorherrschenden systematischen Brüche des Arbeitszeitgesetzes einzuschränken bzw. zu tilgen.

Dr. Carsten Vogt von der Tierarztpraxis Ottersberg stellte hierzu exemplarisch ein in seiner Praxis bereits umgesetztes Modell vor, das unter anderem eine Vier-Tage-Woche in der Pferdepraxis vorsieht, um die gesetzlich vorgeschriebene maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden nicht zu überschreiten. Dagegen wurde in der Diskussion von einigen Universitätsmitarbeitern gefordert, die Bezahlung von Doktorandinnen und Doktoranden in dieser Diskussion außen vor zu lassen. Aus Sicht des BaT bedarf es jedoch auch hier einiger Nachbesserungen, da laut Kersebohm et al. 2017 53% der universitären Angestellten unter Mindestlohn arbeiten.  Hier erhalten junge angehende Tierärztinnen und Tierärzte und auch frische Absolventen bisher das falsche Signal, wie Arbeitsverhältnisse in der Tiermedizin aussehen. Insbesondere der Vergleich zu den humanmedizinischen Berufskollegen durch den 1. Vorsitzenden machte deutlich, was eine positive Beeinflussung bereits im Studium bewirken kann: der Begriff „Gott in Weiß“ ist nicht umsonst im Gespräch und junge Absolventen gehen sehr selbstbewusst sowie mit entsprechenden, gerechtfertigten Forderungen in ihre erste Anstellung.

 

Ein anderes Bild in der Tiermedizin: Schon Studenten lernen leider, dass die Realität meist anders aussieht: Die bpt-Gehaltsempfehlung wird zwar teilweise eingehalten, jedoch bei den gesetzlichen Regelungen zuwiderlaufenden Wochenarbeitszeiten von über 40 Stunden. Die Arbeitssuche entwickelt sich vor allem für motivierte Berufsanfänger zu einem Spagat zwischen den eigenen Erwartungen, dem Druck von umgebenden Berufsfremden (Partner, Familie und andere), einer akzeptablen work-life-balance sowie Existenz- und Versagensängsten. Oft weicht der anfängliche Enthusiasmus nach 11 Semestern endlich den ersehnten Traumberuf ausüben zu dürfen schnell der harten Realität des Praxisalltags.

 

Genau dies wurde unter anderem von Seiten des bvvd und des BaT auch in den Impulsvorträgen sowie in der folgenden Diskussion thematisiert und unterstrichen. Die Einsicht, dass viele aktuelle Anstellungsverhältnisse auf Grund von Überschreitung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 40 / 48 Stunden sowie der fehlenden – bei der Möglichkeit des Anfalls von Überstunden zwingend nötigen – Zeiterfassung schlichtweg illegal sind, wurde sogar von den Arbeitgebern auf dem Podium deutlich kommuniziert und als zukünftig nicht haltbarer Missstand dargestellt. Erste Verfahren und strikte Kontrollen von Kliniken und Praxen zeigen hier auch die wachsende Gefahr für Arbeitgeber, die nach wie vor gegen geltende Gesetze verstoßen.

 

Auch Lösungsansätze wurden im Podium diskutiert und neben der Zahlung eines angemessenen Gehalts (siehe zum Beispiel „BaT – Standards“) sollte der moderne tiermedizinische Arbeitgeber auch weniger messbare Aspekte bei der täglichen Arbeit beachten; hierzu gehört insbesondere eine gute Personalführung mit Lob und Anerkennung, regelmäßigen Teamgesprächen und der Wertschätzung des Arbeitnehmers als Teil seines eigenen Erfolges. Insbesondere in diesen Bereichen gibt es in der Breite noch viel Optimierungsbedarf, wie die Mitglieder des BaT immer wieder berichten.

Auch die angestellten Tierärzte haben Aufgaben: so unter anderem die Erhöhung des eigenen Selbstwertes – unter anderem auch in Verhandlungen – sollten sich die angestellten Tierärzte zukünftig als erstes Ziel vornehmen, sonst behindert sich der motivierte angestellte Tierarzt gegebenenfalls doch wieder selbst.

 

Neben den bereits genannten Punkten äußerte Dr. Christian Wunderlich als 1. Vorsitzender den Wunsch für die Zukunft, dass tiermedizinische Arbeitgeber und angestellte Tierärzte an Stelle des Begriffes „Assistent/in“ den Wortlaut „angestellter Tierarzt/ angestellte Tierärztin“ verwenden; schließlich sind die Mitarbeiter Akademiker mit einem sehr anspruchsvollen Studium und nicht nur „Assistenten“!

 

Weiterhin warb er für die Aktion „Ein Herz für Tierärzte“. Mit dieser Aktion verfolgt der BaT folgende Ziele:

  • Aufwertung des tierärztlichen Berufsstandes: In der Öffentlichkeit muss die Wichtigkeit und Wertigkeit unseres Berufsstandes immer wieder unterstrichen werden.
  • Kollegiales Verhalten innerhalb der Tierärzteschaft: Nur, wenn wir alle am gleichen Strang ziehen und uns fair und kollegial verhalten, werden wir auch etwas erreichen können.
  • Aufklärung: Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber müssen über Ihre Rechte und Pflichten informiert sein. Nur dann kann es ein positives Miteinander ohne Missverständnisse geben.
  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen: Die Einhaltung geltender Rechtsvorschriften und eine angemessene Arbeitsvergütung sind eine Grundvoraussetzung für die Wertschätzung der geleisteten Arbeit. Ein nettes Wort, ein Dank sind manchmal noch vielmehr wert und verursachen keine Kosten!

 

Wahrscheinlich würde jeder Kollege unterschrieben, dass er ‚Ein Herz für Tiere‘ hat. Schön wäre es, wenn wir auch ein ‚Herz‘ für uns selbst und für den Kollegen hätten: Wenn wir uns als Berufsgruppe gemeinsam positionieren, damit wir und unsere Arbeit wieder wertgeschätzt werden.

 

 

Um dem zwischen Motivation und Frustration stehenden angestellten Tierarzt eine Hilfestellung zu geben, hat sich der Bund angestellter Tierärzte e.V. (BaT) im Jahr 2016 gegründet. Der Verein sieht sich als alleinige Interessensvertretung aller angestellten Tierärzte, arbeitet an der Verbesserung der Arbeitsbedingungen für angestellte Tierärzte, klärt Studenten, Angestellte und auch Arbeitgeber über ihre Rechte und Pflichten auf, betreibt Öffentlichkeitsarbeit zur Aufwertung des tierärztlichen Berufsstandes im Allgemeinen und steht für kollegiales Verhalten ein.

Neben den aufgezeigten Punkten im vorigen Abschnitt hat der BaT e.V. bereits Veranstaltungen zur Aufklärung der Mitglieder durchgeführt, mit Arbeitgebern, dem bpt und anderen Verbänden gesprochen und erfahrene Unterstützer mit einbezogen, um die Satzungsziele zu erreichen. Zu den Unterstützern des BaT zählen z.B. eine renommierte Anwaltskanzlei für Tierärzte, Finanz- und Versicherungsdienstleister, ein Businesscoach sowie eine Steuerberatungsgesellschaft. Exklusive und einzigartige Vorteile für BaT-Mitglieder wie günstigere Konditionen für eine Arbeitsvertragsüberprüfung, kostenlose juristische Erstberatung, Steuererklärung zu Sonderkonditionen u.v.m. können so zur Verfügung gestellt werden.

Wichtigstes Ziel aus der Sicht des BaT zur Schaffung langfristig motivierter angestellter Tierärzte sind neu definierte, gesetzeskonforme Standards für die Arbeit im tierärztlichen Berufsfeld und die Verbesserung der Arbeitssituation für Arbeitnehmer und – geber im Allgemeinen.

Der BaT e.V. stellt als reine Vertretung der angestellten Tierärzte die Weichen für einen Tarifvertrag mit einem zurzeit noch fehlenden Arbeitgeberverband!

 

Interessierte finden weitere Informationen über den BaT e.V. unter www.bundangestelltertieraerzte.de oder www.EinHerzfuerTieraerzte.de .

 

 

 

 

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